﻿WEBVTT

00:00:00.090 --> 00:00:05.770
Sei es, morgens nicht aus dem Bett zu kommen, eben Schwierigkeiten zu haben den Alltag zu bewältigen.

00:00:06.000 --> 00:00:09.660
Innerhalb der Vorlesungen, dass die Inhalte nicht ankommen.

00:00:09.810 --> 00:00:13.889
Ich bin nicht aufnahmefähig. Wir sind vielleicht nicht immer sichtbar, aber wir sind da.

00:00:13.890 --> 00:00:21.990
Uns gibt es. Personen mit psychischer Erkrankung. Und psychische Erkrankungen sind laut Gesetzbuch eine Behinderung,

00:00:22.200 --> 00:00:29.620
deren Symptomatik oftmals im Verborgenen bleibt, weil sie eben innerlich ist, psychisch ist.

00:00:30.460 --> 00:00:35.050
Tatsächlich habe ich mich am Anfang sehr hilflos gefühlt.

00:00:35.860 --> 00:00:40.870
Ich hatte das Gefühl, es gibt hier nichts was mir weiterhelfen kann.

00:00:40.900 --> 00:00:45.400
Bis ich dann auf die psychosoziale Beratungsstelle vom Studierendenwerk gestoßen bin.

00:00:45.610 --> 00:00:53.200
Dann hat mir geholfen, als ich gesehen habe, es wird auf den Vorlesungsfolien - wie so Werbung dafür gemacht,

00:00:53.620 --> 00:00:56.920
dass es diese Beratungsstellen gibt, auch intern an der Hochschule selbst.

00:00:57.430 --> 00:01:02.020
Diese Vorlesungsfolie, die war immer die zweite Seite nach der Titelfolie.

00:01:02.300 --> 00:01:02.575
Wurde bei jeder einzelnenVorlesung oder jedem einzelnen Seminar von dieser Dozentin wieder gezeigt.

00:01:07.197 --> 00:01:17.757
So, "Hey, meldet Euch doch hier. Ihr könnt in Raum XY einfach vorbeigehen, könnt über eine E-Mail, einfach einen Sprechstundentermin ausmachen.

00:01:17.837 --> 00:01:26.437
Ein telefonisches Beratungsgespräch, erstmal in E-Mail Kontakt bleiben. Und dann erst mal rausfinden, o.k., wie kann euch eigentlich intern geholfen werden."

00:01:27.037 --> 00:01:31.477
Und das hat mir jemand empfohlen, dass ich doch da mal einen Termin machen soll.

00:01:31.497 --> 00:01:38.507
Dann wurde ich von dort aus erstmal aufgefangen und weitervermittelt. Sei es an eine Therapeut*in, eine Beratungsstelle.

00:01:38.977 --> 00:01:42.447
Oder einfach erst mal gehört zu werden, gesehen zu werden.

00:01:42.927 --> 00:01:47.697
Sie haben mir geholfen, indem sie gesagt haben: "Hey, es ist richtig, dass du hier bist."

00:01:47.907 --> 00:01:52.437
Und ich durfte Verantwortung abgeben. Verantwortung für die Organisation meines Studiums.

00:01:52.797 --> 00:01:56.217
Daraufhin hat sie mir gesagt, welche Formalia ich brauche.

00:01:56.217 --> 00:02:01.437
Das ist natürlich immer noch eine Hürde und ein Hindernis. Wir haben extrem viel Bürokratie zu bewältigen.

00:02:01.917 --> 00:02:04.077
Dann musst du erst mal über verschiedene Stationen gehen.

00:02:04.287 --> 00:02:09.837
Du musst dir bei deinen jeweiligen Ärzt*innen eine Bescheinigung holen, die einreichen bei der Hochschule.

00:02:10.317 --> 00:02:13.707
Das heißt, du musst auch Privates von dir preisgeben.

00:02:14.667 --> 00:02:22.137
Diese Hürde bin ich gegangen und bin auf extrem viel positive Resonanz gestoßen, seitens der Behindertenbeauftragten der Hochschule.

00:02:22.947 --> 00:02:30.807
Dort hieß es: Ja klar, wir organisieren... - über das Prüfungsamt, dass ist dann die nächste Stelle, einen Nachteilsausgleich.

00:02:30.957 --> 00:02:34.076
Sprich, ich habe Schreibzeitverlängerung bei Klausuren bekommen.

00:02:34.077 --> 00:02:37.857
Ich habe längere Abgabefristen für Hausarbeiten bekommen.

00:02:37.857 --> 00:02:44.337
Ich habe 50 % Verlängerung der Abgabefrist für die Bachelorarbeit bekommen. Was extrem viel Druck nimmt.

00:02:45.057 --> 00:02:55.077
Ich wünsche mir von Kommiliton*innen Verständnis. Sei es in Gruppenarbeiten, da diese Sensibilität vielleicht noch ein bisschen zu stärken.

00:02:55.647 --> 00:03:01.557
Zu merken " o.k., die Person ist nicht unbedingt faul oder will sich der Arbeit entziehen, sondern der ist es nicht möglich."

00:03:01.797 --> 00:03:07.677
Ich wünsche mir ebenfalls, dass Kommiliton*innen auch sensibel und aufmerksam dafür sind,

00:03:07.677 --> 00:03:13.197
vielleicht für engere Bekannte da, ein Ohr zu haben oder ein Auge drauf zu haben.

00:03:13.197 --> 00:03:17.547
O.k., bedarf es da noch mehr Hilfe von professioneller Seite aus.

00:03:18.237 --> 00:03:23.697
Und an Dozierende habe ich den Tipp: Fragt nach Bedarfen.

00:03:23.937 --> 00:03:28.676
Mir würde es guttun, Klarheit und Offenheit entgegengebracht zu kriegen.

00:03:28.677 --> 00:03:35.447
Für Menschen mit Behinderung. Für körperliche wird das oft auch einfach so angesprochen.

00:03:35.787 --> 00:03:39.776
Für Menschen mit psychischer Behinderung kommt es selten vor, dass eben darauf hingewiesen wird,

00:03:39.777 --> 00:03:45.117
dass die genauso einen Anspruch auf Nachteilsausgleich haben, dass sie sich genauso bei der Behindertenbeauftragten melden dürfen.

00:03:45.357 --> 00:03:49.327
Dass es einfach eine Vielfalt an Beratungsmöglichkeiten gibt.

00:03:49.837 --> 00:04:00.487
Was unglaublich hilft, das weiß ich von Vielen, wäre, wenn es Gang und Gäbe wäre, Vorlesungsfolien im Vorhinein einfach hochzuladen.

00:04:01.037 --> 00:04:11.877
Und dann in seiner Rolle als  pädagogische, dozierende Person hat man ja einen Duty of Care, den auch wahrzunehmen.

00:04:12.337 --> 00:04:17.727
Man ist nicht verpflichtet dazu Therapeut*in oder sonst was zu spielen, aber vielleicht zu vermitteln.

00:04:18.027 --> 00:04:23.966
Und das vielleicht in Vorlesungsfolien jedes Mal zu Beginn einmal aufzuzeigen.

00:04:23.967 --> 00:04:33.057
So "Hey, hier ist die Telefonnummer. Es gibt extrem viele Telefonhotlines, ruft da mal an". Und das wünsche ich mir von Dozierenden.
