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Hannah

Studieren mit Hörbehinderung

  • Cochlea-Implantat
  • Untertitel
  • Gebärdensprache
  • Mundbild
Ich bin Hannah. Ich habe mittelblonde Haare, bin sportlich gebaut und knapp 1,80m groß. Meine Haare hab ich meistens zum Pferdeschwanz gebunden, so wie heute auch. Ich trage ein knielanges oranges Kleid mit kurzem Arm. Und an den Füßen noch weiße Sneaker. Hannah , 25
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Über mich

Alter
25 Jahre
Studium
Mathematik auf Lehramt
Hobbys
Handball spielen, Essen gehen, Filme und Serien schauen
Pronomen
Sie / ihr
Ich bin Hannah. Ich habe mittelblonde Haare, bin sportlich gebaut und knapp 1,80m groß. Meine Haare hab ich meistens zum Pferdeschwanz gebunden, so wie heute auch. Ich trage ein knielanges oranges Kleid mit kurzem Arm. Und an den Füßen noch weiße Sneaker. Hannah , 25
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Hannah

Hallo, ich bin Hannah. Ich bin 25 Jahre alt und studiere Mathematik auf Lehramt im Bachelor in Dortmund. Ich wohne gemeinsam mit meinen zwei Mitbewohnern, Till und Simon, in einer WG und fühle mich hier richtig wohl. Eigentlich komm ich vom Dorf, aber hier in der Stadt gefällt es mir besser. Da ist einfach viel mehr los und ich kann meine Interessen ausleben. Ich spiele Handball mit einer gemischten Gruppe aus Leuten mit und ohne Hörbehinderung. Wir spielen in einer kleinen lokalen Liga – deshalb verbringe ich auch jeden zweiten Sonntag in einer miefigen Turnhalle. Durch den Verein habe ich hier direkt Anschluss gefunden. Nach dem Training machen wir oft noch was zusammen, grillen, essen oder einfach abhängen. Immer montags ist abends Fitnessrunde im Westfalenpark. Ich bin auch ein Serienjunkie... ist aber ganz gut, dass ich wegen vielen Terminen nicht jeden Abend auf der Couch verbringen kann. Bei Serien ist mir Vieles wichtig – besonders aber die Qualität der Untertitel.

Ich bin nämlich von Geburt an hochgradig hörbehindert auf beiden Ohren. Ich trage links ein Hörgerät und rechts ein Cochlea-Implantat... wenn ich die Haare offen trage, sieht man davon allerdings kaum was. Ich verwende sowohl die Lautsprache als auch die deutsche Gebärdensprache. Dadurch, dass ich jetzt viel mehr Kontakt mit anderen DGS-Nutzenden habe, bin ich viel, viel besser geworden und nutze gerade jede Gelegenheit, um zu gebärden. Irgendwie verbindet mich das mit Leuten. Ich fühle mich als Teil der DGS Community. Das ist cool. Im Alltag und an der Uni nutze ich vor allem die Lautsprache.

Technologien und Strategien

Hörgeräte

Bei einigen Hörschädigungen können Hörgeräte eingesetzt werden. Diese verstärken Schallwellen und lenken sie ins Innenohr.

Cochlea-Implantat (CI)

Bei bestimmten Hörschädigungen (z.B. einer Innenohrschwerhörigkeit) und wenn der Hörnerv und die Hörbahn intakt sind, kann ein Cochlea-Implantat (CI)

eingesetzt werden. Es sitzt innerhalb des Kopfes. Außen am Kopf sieht man den dazugehörigen Sprachprozessor, der Schallwellen in elektrische Impulse umwandelt. Der Sprachprozessor ist abnehmbar, zum Beispiel beim Schlafen oder Schwimmen.

Gebärdensprache

Die Gebärdensprache ist eine natürliche Sprache, die ein vollwertiges Sprachsystem mit einer eigenen Grammatik darstellt. Für gehörlose Menschen, die sie von Geburt an erlernen, ist sie eine Muttersprache. Aber auch Menschen mit einer Hörbehinderung, die Hörhilfen verwenden, erlernen und verwenden die Gebärdensprache.

Untertitel

Videos, Filme und Serien können durch automatisch generierte oder manuell hinzugefügte Untertitel zugänglich gemacht werden. Eine Übersetzung in Gebärdensprache ist für einige Personen mit Hörbehinderung ebenso wichtig.

Dass gehörlose Menschen nur Gebärdensprache benutzen, ist ein Irrtum. Manche hörbehinderte Menschen gebärden und nutzen auch die Lautsprache – sie entscheiden dann situationsabhängig. Und natürlich kommt es auch auf die Gesprächspartner an. Leider ist es so, dass auch nicht alle gehörlosen und schwerhörigen Menschen die Gebärdensprache gut beherrschen. Das hat ziemlich viel mit der Geschichte hier in Deutschland zu tun und dass Gebärdensprache lange nicht als eigene Sprache anerkannt war. Aber das ist eine andere Story... Als Lehrerin habe ich aber fest vor, DGS im Schulsystem zu fördern. Ich spreche beide Sprachen. Mit meinen DGS-kompetenten Freunden gebärde ich viel. Das ist auch sehr praktisch wenn es mal laut ist, oder wir nicht wollen, dass direkt alle alles mitbekommen

Taubenschlag ist eine Website für Taube und Schwerhörige, aber auch für Hörende. Sie bietet Informationen und Einblicke in die Welt der Hörgeschädigten.

Und viele Menschen denken, dass ich – da ich Hörhilfen trage – alles genauso höre, wie sie. Das stimmt aber nicht. Viele Hintergrundgeräusche, wie Vogelgezwitscher oder das sich nähernde Auto, nehme ich nicht oder sehr spät wahr. Auch ist es für mich schwierig, selektiv zu hören, also einige Geräusche oder vor allem Stimmen auszublenden. Bei mir kommt quasi alles gleich laut an. Und dann gibt es noch Störschall.

Lehrveranstaltungen

Gebärdensprach­dolmet­schende

können für Online- als auch für Präsenzveranstaltungen gebucht werden. Damit die Dolmetschenden gut gesehen werden können, müssen gute Lichtverhältnisse herrschen, denn neben der Mimik und Gestik ist auch das Mundbild ein wichtiger Bestandteil der Gebärdensprache.

Auch das Mundbild der dozierenden Person muss immer gut erkennbar sein, da das Menschen mit Hörbehinderung beim Verstehen hilft. Allerdings können selbst unter den besten Bedingungen (Lichtverhältnisse, nicht verdeckt, deutliche Aussprache) und von geübten „Lippenlesern“ nur bis zu maximal 30% der Inhalte entnommen werden.

Manche Lehrende verstehen nicht, dass ihr Mundbild für mich sehr wichtig ist. Weil ich eben nicht gut höre, brauche ich Zusatzinformationen, die ich durch das Ablesen von Mund und Lippen bekomme. Wenn Lehrende sich wegdrehen und sprechen, ihren Mund verdecken oder zu weit weg sind, fehlen mir diese Infos. Das heißt, ich versuche irgendwie mitzuhören und auszugleichen, wenn ich etwas nicht verstehe. Gerade bei Mathe-Vorlesungen mit vielen Fachwörtern ist das hinderlich. Da hilft mir auch, wenn Lehrende ans Whiteboard schreiben oder eine Präsi haben, die relativ selbsterklärend ist. So verliere ich nicht den Faden.

Höranlagen sind technische Einrichtungen, die manchen Menschen mit Hörbehinderungen das Verstehen in öffentlichen Räumen, wie zum Beispiel Kino, Theater, Kirche oder Vortragssaal, erleichtern.

Infografik Roger Höranlage (PDF, nicht barrierefrei) bietet einen Überblick über den richtigen Umgang mit Höranlagen dieser Art.

Sowohl Hörgeräte als auch CIs können mit Höranlagen verbunden werden, sodass über Mikrofone akustische Informationen direkt an die Hörhilfen gesendet werden können. Ob Gebärdensprachdolmetschende oder eine Übertragungsanlage zur Übertragung der Lautsprache eingesetzt werden, hängt von der bevorzugten Sprache der Anwesenden mit Hörbehinderung ab.

Studierende erklären den Umgang mit Höranlagen in Präsenzveranstaltungen

Lernmaterial

Werden die Informationen einer Veranstaltung überwiegend visuell (Gebärdensprachdolmetschende oder durch das Fokussieren der Lippen) entnommen, ist es schwierig, gleichzeitig Notizen zu machen oder Präsentationen zu betrachten. Daher sollten Folien, Skripte oder Transkripte (am besten bereits im Voraus) zur Verfügung gestellt werden. Eine weitere Hilfe kann das Erstellen von Skripten der Veranstaltungsgespräche durch Mitschreibkräfte (meist Mitstudierende oder Tutor*innen) sein.

Generell sollten auditive Informationen auch in einer anderen Form verfügbar sein (Transkripte, schriftliche Anmerkungen an Folien, Untertitel in Videos).

Werden Videos in Veranstaltungen genutzt, muss darauf geachtet werden, dass Untertitel bereits vorhanden und korrekt sind oder nachträglich hinzugefügt werden können.

Ich wünsche mir überall Untertitel, ohne dass ich extra danach fragen muss! Das sollte Standard sein, weil alle Menschen einen Anspruch auf barrierefrei zugängliche Informationen haben. Mittlerweile kann man die doch automatisch erstellen lassen. Das kostet nichts. Nur etwas Zeit, um sie dann zu verbessern – das muss man halt schon machen. Weil schlechte, automatisch generierte Untertitel furchtbar verwirren können.

Automatische Untertitelungen bei Videos gibt es mittlerweile häufig, sie haben aber oft viele Fehler. Untertitel für Menschen mit Hörschädigungen dürfen außerdem nicht nur das Gesprochene wiedergeben. Die Identifikation der sprechenden Person im Video und auch Erläuterung von Hintergrundgeräuschen etc. sind wichtige Informationen, die sonst verloren gehen.

Ein 90-minütiger Vortrag, der für mich akustisch schlecht zu verstehen ist, ist anstrengend. Die ganze Zeit habe ich quasi Ausfälle, wenn ich Wörter nicht verstehe oder die von anderen Geräuschen überdeckt werden. Ich bin dann die ganze Zeit hochkonzentriert und versuche, immer aus dem Kontext irgendwie abzuleiten, um was es gerade geht. Danach brauch ich erstmal eine Pause. Dazu schalte ich dann auch meine Hörhilfen ab.

Ich studiere zwar Mathematik, aber manche Vorlesungsaufnahmen sind auch für mich unberechenbar. Wortwitze beiseite: Das ist tatsächlich nicht nur für mich so, sondern auch für die anderen im Kurs ohne Behinderung. Manchmal gibt es einfach gewisse Audio-Probleme. Die folgende Simulation versucht das auf etwas abstrahierte Weise zu veranschaulichen.

Studierende geben Hinweise zu online Veranstaltungen

Eine Woche im Leben von Hannah

Hannah befindet sich im zweiten Jahr ihres Lehramt Mathematik Studiums in Dortmund. Dies ist die zweite Woche des WS22 und Hannah hat eine volle Auslastung von 5 Kursen.

Oktober 2022

Guter oder Schlechter Tag

9:45 Uhr

Hannah freut sich auf ihren Kurs in Linearer Algebra, da sie letztes Jahr in den Einführungskursen eine 1,3 bekommen hat. Sie setzt sich in den vorderen Teil des Hörsaals und erhöhte die Lautstärke ihrer Hörgeräte leicht. Der Dozent hat leider nicht daran gedacht, die Höranlage zu benutzen und sich ein Mikrofon umzuhängen, weshalb Hannah die Vorlesung nicht sehr deutlich hören kann. Sie ist sich nicht sicher, ob sie ihn unterbrechen sollte, um ihn zu bitten, dies zu tun. Die Tonqualität verschlechtert sich zusätzlich, wenn der Dozent sich umdreht, um Diagramme an die Tafel zu zeichnen. So ist Hannah auch nicht in der Lage, den Schlüsselbegriffen zu folgen. Die Vorlesungsunterlagen sind auch nicht vor der Vorlesung hochgeladen worden. Eine Vorbereitung war daher nicht möglich. Sehr frustrierend!

Hannah steht in einer erschöpften Pose da, da 3 von 5 Tagen in dieser Woche schlecht verliefen

Interaktion und Kommunikation

Ob die Lautsprache oder die Gebärdensprache genutzt wird, wird beeinflusst von vielen verschiedenen Faktoren: Unter anderem von der (Gruppen-)Situation, von der Art der Hörbehinderung, von der bevorzugten Kommunikation etc. Da die akustische Rückmeldung über die eigene Aussprache mitunter fehlt, kann es zu einer undeutlichen Lautsprache bei einzelnen Menschen mit Hörschädigungen kommen.

Es ist mir manchmal unangenehm, dass meine Aussprache von Anderen nicht verstanden wird. Ich kann mich selbst kaum hören und merke daher häufig nur an den fragenden Gesichtern, dass meine Aussprache verwaschen war.

Damit in Veranstaltungen eine dolmetschende Person anwesend sein kann, ist eine klare Absprache, schnelle Kontaktaufnahme und auch eine gewisse Verbindlichkeit sehr wichtig. Ebenso müssen Veranstaltungen rechtzeitig terminiert sein, damit Gebärdensprachdolmetschende rechtzeitig beauftragt werden können, denn hier ist eine gewisse Vorlaufzeit für die Planung wichtig. Die dolmetschenden Personen benötigen das Vortragsmaterial vorab und rechtzeitig, sodass sie sich auf entsprechende Fachbegriffe etc. gezielt vorbereiten können.

Gruppensituationen, in denen viele Menschen durcheinanderreden, können sehr anstrengend sein. Werden die Mikrofone der Höranlage nicht weitergereicht oder reden Menschen gleichzeitig, können Informationen aus Gruppendiskussionen nicht entnommen werden. Das erschwert eine Teilnahme und Schwerhörige sind dadurch schnell ausgeschlossen.

Mit meinen Kommiliton*innen aus dem Gebärdensprachkurs kommuniziere ich mit der Gebärdensprache. Ich werde immer besser. Mittlerweile kann ich auch anderen etwas beibringen. Mich interessiert auch, wie neue Gebärden entstehen, zum Beispiel für neue Technologien oder Ausdrücke aus der Jugendsprache. Auf Partys ist es praktisch zu gebärden, dann müssen wir nicht brüllen. Aber ich habe auch gemerkt, dass mich dann andere, hörende Leute eher nicht ansprechen.

Prüfungen

Studierende mit Behinderungen können einen Nachteilsausgleich beantragen. Diese Anpassungen werden zunächst mit den Beauftragten für Studierende mit Behinderungen besprochen und durch das Prüfungsamts genehmigt. Wichtig ist, dass der Nachteilsausgleich rechtzeitig angemeldet wird, damit er in Prüfungen berücksichtigt werden kann. In dem Nachteilsausgleich werden Anpassungen festgehalten, die den Studierenden gleiche Voraussetzungen für die inhaltliche Bearbeitung der Prüfung ermöglichen. Zudem müssen in Prüfungssituationen ähnliche Aspekte berücksichtigt werden, die ebenfalls in Veranstaltungen gelten – wie beispielsweise geschlossene Fenster, um Störgeräusche zu vermeiden.

Selbstcheck Barrierefreiheit

Hier finden Sie eine Checkliste, um zu überprüfen, wie barrierefrei Ihre Lehre bereits ist.

1 von 8 Tipps werden umgesetzt

Weitere Informationen

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